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Mein trauriger Fränkischer Schweiz Marathon

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Achtmal habe ich beim Fränkischen-Schweiz-Marathon teilgenommen. Zwar nicht immer über die volle Distanz, aber achtmal war meine Oma an ihrem Schlafzimmerfenster und hat mir zugewunken. Mein Elternhaus ist 100 Meter vom Start und Ziel entfernt.

 

Am Sonntag lief ich zum neunten Mal mit. Diesmal zum dritten Mal 32 Kilometer für eine Staffel. Doch meine Oma war ein paar hundert Meter weiter im Krankenhaus. Über die Urlaubszeit war sie „vorübergehend“ in der Pflegestation. Doch ihre 98 Jahre machten sich nun schon eine Woche lang bemerkbar.

 

Vor dem Lauf war ich noch bei ihr und konnte ihr liebe Worte sagen. Mit einem mulmigen Gefühl ging ich dann zum Start. 6 Minuten bevor es losging kam dann der Anruf aus dem Krankenhaus. Doch ich konnte nichts mehr tun. Die Beziehung mit meiner Oma war sehr innig. Dies hier zu beschreiben wäre allerdings der falsche Ort.

 

Überhaupt davon zu schreiben gehört allerdings für mich zu diesem Lauf dazu. Meinem traurigsten Fränkischen-Schweiz-Marathon.

 

Laut meinem Ultratrainingsplan sollte ich 35 Kilometer in 5:50/km laufen. Aber da dies eine hervorragende Trainingsmöglichkeit in einem Wettkampf darstellte, wollte ich in einer Staffel erneut 32 km laufen. Geplant war es diese in 5:30/km anzugehen.

 

Der emotionale Start war jedoch sehr schnell, zu schnell, aber ich pendelte mich bald bei 5:18/km ein. Nach nicht einmal einem Kilometer lief ich am Krankenhaus vorbei…. Ein Kuss Richtung Oma… Sie lag genau in einem Eckzimmer zur B470 mit Blick auf die Straße.

 

Bitte verzeiht mir hier und heute diesen Text. Vielleicht denkt sich der ein oder andere, dass er nicht gelaufen wäre. Den Gedanken hatte ich auch kurz, aber die Ärztin meinte, dass ich die ersten Stunden nichts machen könnte. Also lief ich diesen Lauf mit den Gedanken und für meine Oma. Sie hat sich immer gefreut, wenn es mir gut geht.

 

Der Lauf an sich war unspektakulär. Ich wollte ja nicht aufs Tempo drücken und musste auch nicht total kämpfen. Hatte ich mal hier und da ein Zwicken bat ich meine Oma um Hilfe. Ich bin zwar nicht wirklich religiös, aber an diesem Tag half es mir irgendwie.

 

Ich sah viele Freunde und Bekannte an und auf der Laufstrecke. Und jedem schenkte ich ein Lächeln oder richtete einen Gruß an ihn. Ob Weilersbach, wieder Ebermannstadt, Gasseldorf, Streitberg oder Muggendorf. Ich versuchte den Lauf trotz allem zu genießen.

 

Nach 32 km übergab ich das Startband an meine Laufkollegin Melanie, die ich noch ein paar Meter durch meine Heimatstraße begleitete. Sie hat es wirklich toll gemacht. Ich bin etwas mehr als 32 km in 5:20/km gelaufen. Sie sorgte mit ihrem Lauf für ein Finish bei 4:06 Stunden. Danach habe ich ihr von meinem Tag berichtet.

 

Laufen ist ein schönes Hobby, man bekommt den Kopf frei. Und in schwierigen Momenten kann man ganz mit sich unter hunderten Menschen sein. Mir geht es gut. Forrest Gump war lange Zeit mein Lieblingsfilm und ich zitiere daraus: „Der Tod gehört nun mal zum Leben dazu.“

 

Ich weiß, dass ich nun jedes Jahr in der Fränkischen für meine Oma laufe. Sie war meine treueste Begleiterin und ich danke ihr für so vieles von ganzem Herzen.

 

Dein Michael/Euer Parzi

Das Bild zeigt mich zwar lächeln, aber innerlich war mir dann doch oft zum Heulen. Ein Daumen nach oben, der rechte Zeigefinger in Richtung Himmel :-(